Bild fordert in einem Kommentar, dass Deutschland für alle, die mit Nationaleuphorie nichts am Hut haben, zur “No-Go-Area” werden müsse. Sehr bedenkliche Rhetorik zu einem an sich harmlosen Phänomen. Die schwarz-rot-goldene Flut der letzten Wochen kann ich nicht als Zeichen für einen gefährlichen Nationalismus in breiten Schichten der Bevölkerung sehen, wie es vielerorts in dümmlicher linker Rhetorik heißt. Die Fahne war lediglich ein Ausdruck der Freude. Worüber auch immer.

Auch deine Fahne gefällt mir nicht mehr,
Die altdeutschen Narren verdarben
Mir schon in der Burschenschaft die Lust
An den schwarz-roth-goldnen Farben.

Anders als Heinrich Heine kann ich nicht behaupten, dass mir die Lust auf Schwarz-Rot-Gold in der Burschenschaft verging. Aber auch für mich sind die Farben “altdeutsch”. Ich verbinde sie mit der Bonner Republik und vor allem mit Helmut Kohl. Nach 1945 war für die Väter des Grundgesetzes klar, dass die Fahne des neuen, wieder geteilten, Deutschlands, nur SRG sein könne. Und die Zeit nach ‘45 ist es auch, die ich mit der deutschen Trikolore verbinde. Konservativ, spießig. Hirschgeweih über Eichenvertäfelung. Das ist für mich Schwarz-Rot-Gold. Sicher, Kohl regierte schon in einer anderen Zeit. Aber er selbst war dennoch ein Kind dieser Haltung. Und deshalb werde ich nicht mit einer deutschen Fahne rumlaufen oder Schwarz-Rot-Gold sonstwie zur Schau tragen. Ich verbinde damit Dinge, mit denen ich mich nicht identifiziere.