Süddeutsche Online hat einen Artikel über die öffentlich zugänglichen Datenbanken mit Daten verurteilter Sexualstraftäter in den USA und deren Folgen. Der Unsinn wird deutlich, wenn man bedenkt, wie idiotisch die Rechtsprechung in den USA teilweise ist. Da werden fünfjährige Jungs von der Polizei aus dem Kindergarten abgeholt, wenn sie ein Mädchen anfassen. 14jährige Mädchen werden wegen der Verbreitung von Kinderpornographie angeklagt, weil sie für ihren Freund nackt vor der Webcam posieren. 19jährige Jungs werden verurteilt, wenn sie mir ihrer 15jährigen Freundin schlafen. Letzterer wurde später in einem Akt von Selbstjustiz ermordet. Name und Adresse hatte der Täter aus einer dieser Datenbanken.

Nun kann man Kindesmissbrauch verdammen oder befürworten. Man darf es aber nicht dem Pöbel überlassen, jemanden, der rechtsstaatlich verurteilt wurde, mit Hilfe einer schwarzen Liste ein Leben lang zu stigmatisieren, zu terrorisieren und zu verfolgen. Vor allem dann nicht, wenn man wegen etwas, das der gesunde Menschenverstand als Nichtigkeit erkennt, auf einer solchen Liste landet. Versteht mich nicht falsch. Ich plädiere keineswegs für einen laxeren Umgang mit Kinderschändern. Ihre Opfer leiden ein Leben lang und die Strafen sollten das reflektieren. Aber die Bestrafung ist Sache des Staates und nicht des Volkes. Im Zweifelsfall muss man die Strafen verschärfen und es nicht den Bürgern nahelegen, ihr jeweils eigenes Rechtsempfinden umzusetzen. Auch oder vielmehr besonders dann, wenn der Staat wider dem normalen Rechtsempfinden urteilt, sind die vermeintlichen Täter selbst Opfer und verdienen keine weitere Bestrafung durch ihre Mitbürger. Bei wirklich gefährlichen Sexualstraftätern muss sich der Staat überlegen, ob man sie wieder auf die Gesellschaft loslassen darf. Durch öffentliche Listen oder härtere Strafen schreckt man sie jedenfalls nicht ab. Sie sind Triebtäter. Diese Menschen begehen ihre Verbrechen aufgrund von Instinkten, auf die logisches Denken wenig bis keinen Einfluss hat.