Mon 8 Jan 2007
Der Spiegel wird 60, hurra. Moment. Doch kein Grund zum Feiern. Das “Sturmgeschütz der Demokratie” fiel schon vor einigen Jahren der allgemeinen Niveauabrüstung zum Opfer. Wir leben in einer Zeit, in der es keine Meinungen mehr gibt, nur noch Quoten. Alles wird auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht. Das gilt schon lange für Fernsehen und Radio, die ich seit Jahren nicht mehr ertrage. Schröder brachte diese Seuche in die Politik und SPD und CDU machten begeistert mit. Bei den Printmedien haben sich Publikationen wie Spiegel oder FAZ länger dem Trend verweigert als andere. Spätestens mit dem Tod Rudolf Augsteins 2002 und dem Aufstieg des Internets begann aber der langsame Abstieg des Spiegel und seiner Schwestermedien wie Spiegel Online. 2006 wurde die Panoramarisierung dort so schlimm, dass ich SPON seit Dezember nicht mehr lese, ja, nicht mehr lesen kann. Ähnliches gilt für den Print-Spiegel, wenngleich ich diesen aus Kostengründen schon länger nicht mehr lese. Aber ich habe mitbekommen, wie eine langjährige Spiegel-Abonnentin ihr Abo kündigte, nachdem der Verfall unerträglich geworden war. Und sie wird mit Sicherheit nicht alleine sein.
Das alles ist beklagenswert. Aber ich frage mich, ob es heutzutage noch anders geht. Der anspruchslose, gleichgeschaltete Unterhaltungsmüll ist ubiquitär. Wer nicht untergehen will, der springt auf den Zug Richtung Volksverdummung. Print-Produkte, die bezahlbar sein wollen, müssen große Auflagen fahren. Und diese verkauft man nur, wenn man den Geschmack der Masse trifft. Der wird weiter und weiter an leicht verdaulichen Müll, der irgendwie unterhaltend sein soll, gewöhnt. Und die Medien ziehen nach. Rolltreppe abwärts. Vielleicht sollte ich einfach mit dem Kopf gegen die Wand hauen, bis ich wieder Spiegel Online lesen und den Müll dort für Journalismus halten kann.
January 8th, 2007 at 20:17
Da Medien immer Spiegel der Gesellschaft sind, sollten wir eventuell wieder über das Auswandern nachdenken. Denn besser wird es bestimmt nicht werden.