Nach den jüngsten Todesfällen unter kleinen Kindern kommt es wie üblich bei emotional aufgeladenen Situationen zu blindem Aktionismus. Von der Leyen sperrt sich nicht mehr gegen Zwangsbesuche beim Kinderarzt und auch die Jugendämter könnten die schon lange geforderten erweiterten Befugnisse bekommen. Ein Überwachungsnetz aus Ärzten und Jugendämtern soll alle Eltern überwachen, damit Kinder nicht mehr verwahrlosen, missbraucht oder gar getötet werden.

Kurz gesagt werden also die Rechte von Erwachsenen beschnitten, weil es Eltern gibt, die ihre Kinder nicht so behandeln, wie wir als Gesellschaft es uns in einem Idealbild vorstellen. Das ist Unterdrücken der Symptome eines Problems der Gesellschaft. Aber anstatt uns dem zu stellen, wird kurzsichtig nach einer Einschränkung der Freiheit aller geschrien. Denn es trifft ja angeblich nur die anderen. Übersehen wird dann gerne, dass doch erstmal definiert werden muss, was gute Erziehung ist. Oder ab welchem Punkt das Jugendamt die Kinder in ein Heim oder zu Fremden stecken darf. Da werden sich viele derjenigen, die noch heute mehr Überwachung verlangen, aber umgucken, wenn es plötzlich auch sie trifft. Und zwar nur, weil ein Arzt oder das Jugendamt dann doch andere Vorstellungen davon haben, was gut für ein Kind ist und was nicht. Überhaupt muss man sich doch fragen, warum auf halbem Wege aufgehört werden soll. Misshandlung und Verwahrlosung durch Eltern stoppt man erst dann richtig effektiv, wenn Kindern sofort nach der Geburt in staatliche Obhut gegeben werden. Aber das geht den gefühlsduseligen Aktionisten dann doch zu weit. Bis zu den nächsten Fällen, wenn Kinder sterben, weil die Eltern krank oder überfordert waren.

Ich kann mir keine Lösung aus dem Ärmel schütteln. Aber ich kann sehen, dass der aktuelle Weg falsch ist. Es muss das Ziel sein verwahrlosende Eltern zu verhindern. Es darf nicht angehen, dass stattdessen die Freiheit aller eingeschränkt wird.

Übrigens sollte man sich mal gezielt Interviews mit Mitarbeitern der Jugendämter anhören. Was die und vor allem wie sie es sagen ist echt gruselig. Wenn Wolfgang Schäuble das hört muss er feuchte Augen bekommen, weil er nicht alleine die Freiheit bekämpft.