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SPON veröffentlicht einen Artikel aus der FAS, der sich mit chinesischen Goldfarmern in MMORPGs wie World of Warcraft beschäftigt.

Der letzte Absatz bringt gut auf den Punkt, warum die Aufregung über die Farmer verfehlt ist:

Es hilft nicht, daß die Betreiber der Computerspiele die kommerziellen Umtriebe für illegal erklären; sie haben gar nicht das Personal, um den elektronischen Verkehr zu überwachen, und können nur sporadisch einmal einen verdächtigen Spielzugang sperren. Der Fehler liegt im System. Es bleibe nichts anderes übrig, meint ein Enttäuschter, als auf ein neues Spiel zu warten, das den Fehler tilgt.

Blizzard und andere Firmen haben offenbar blauäugig angenommen, die Wirtschaft würde sich selbst regulieren. Selbst für jemanden, der nicht Volkswirtschaft studiert hat, ist offensichtlich, dass ein System nicht funktionieren kann, in dem unbegrenzt Geld in Umlauf ist. Wer den Handel von Spielgegenständen verbietet, wie die meisten Hersteller, oder ihn verachtet, wie viele Spieler, der verkennt doch die Realität. Gerade aus Sicht des Herstellers sollte man meiner Meinung nach froh sein, wenn man Abonnenten gewinnt, die aus Zeitmangel nur spielen können, weil anonyme Chinesen ihnen zu fertigen Charakteren und Geld verhelfen. Und für Spieler, die gegen sowas vorgehen, kann ich auch kein Verständnis aufbringen. Denn sie versuchen, ihr Weltbild anderen aufzuzwingen. Notfalls mit virtueller Gewalt. Wen es ernsthaft überrascht, dass jemand alle Möglichkeiten ausnutzt, die geboten werden, der ist sträflich naiv. Der Zorn dieser Spieler sollte sich nicht gegen andere Spieler richten, sondern gegen den Hersteller, der es versäumte, einen Wirtschaftsexperten in das Entwicklerteam zu holen.

Soziale Netzwerke sind momentan der große Trend im Internet. Zusammen mit anderen kollaborationsbasierten Diensten werden sie gerne unter dem Begriff “Web 2.0″ zusammengefasst. Für mich bedeutet Web 2.0 primär das Ende der Privatsphäre. Exhibitionismus ist offenbar unabdingbarer Teil dieses Trends. Und seine Apologeten begrüßen alle Angebote, die noch mehr Privatsphäre rauben und Fremden noch mehr Einblick in das eigene Leben bieten. Bei Diensten wie flickr, youtube oder ZYB wird dann auch die Frage interessant, inwiefern man Einblick in die Leben Dritter erhält. Da lädt ein Mann freizügige Bilder seiner Freundin hoch, dort veröffentlicht eine Frau eine Videoliebeserklärung ihres Freundes, und hier landen durch ein Versehen Telefonnummern und Adressen in einem öffentlichen Verzeichnis. Datensammler freuen sich. Neben den Sicherheitsdiensten, die ja ohnehin immer gerne mehr wissen, sind auch Werber oder netzaffine Firmen, die Bewerber durchleuchten, mit dabei. Aber warum wird diesen Gruppen in die Hände gespielt? Hier kann ich nur vermuten. Vielleicht ist es bei vielen der Teilnehmer von myspace und wie sie alle heißen, einfach so, dass sie mit dem Netz großgeworden sind. Wer schon von klein auf E-Mail, Chat und Webcams kennt, der hat vermutlich wenig Hemmungen, weitere Details preiszugeben. Ich kann mir vorstellen, dass die Vorstellung von Privatsphäre und damit der Teilnahmeverweigerung, in diesen Kreisen altmodisch wirkt. Für mich allerdings kein Grund, davon abzulassen.

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