May 2006


Ein sehr schöner Artikel bei zeit.de befasst sich mit der Verschärfung des Strafrechts zu Lasten der eigentlich vorgesehenen Resozialisierung. Er kommt zum Fazit:

So sieht sie aus, die neue Kriminalpolitik – mit Vernunft hat sie nichts mehr zu tun. Wissenschaftler wie der Kriminologe Frieder Dünkel halten deshalb Politiker, die sich von den Medien jagen lassen und zugleich die Angst in der Bevölkerung schüren, für das eigentliche Sicherheitsrisiko im Land.

Mein Reden. Etwas mehr Ruhe täte allen gut. Und ich wünsche mir etwas mehr Mut in den Redaktionen der Republik. Damit sie nicht mehr jedem Leser oder Zuschauer nachlaufen und am Ende den kleinsten gemeinsamen Nenner befriedigen. Angst steckt in uns allen. Gerade deshalb darf man sie nicht bedenkenlos schüren.

Neben der zunehmenden “Panoramarisierung” von Spiegel Online, die niedrige Instinkte befriedigende Pressetickermeldungen in anderen Rubriken auftauchen lässt, erreicht die Rubrik Panorama selbst immer neue Tiefen. Deshalb lese ich Artikel dort gar nicht mehr. Nun, jedenfalls nicht, bis mich ein Aufmacher rückfällig werden ließ. Schon der Teaser war derart geschmacklos, dass ich wissen wollte, wie der dazugehörige Artikel ist. Und er ist übel. Richtig übel. Selbst bei Bild.de findet sich ein zurückhaltenderer Bericht. Sachliche Distanz fehlt völlig. Der Beitrag ist weniger Berichterstattung, sondern mehr eine Möglichkeit für die Autorin, ihre ganz persönliche Meinung unverblümt zu veröffentlichen. Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun. Und leider ist dies nur die nicht überraschende Fortsetzung des andauernden Niedergangs von Spiegel Online. Wen mein Gemecker darüber nervt, der sei beruhigt. Lange schaue ich mir das nicht mehr an.

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