October 2006


SPON veröffentlicht einen Artikel aus der FAS, der sich mit chinesischen Goldfarmern in MMORPGs wie World of Warcraft beschäftigt.

Der letzte Absatz bringt gut auf den Punkt, warum die Aufregung über die Farmer verfehlt ist:

Es hilft nicht, daß die Betreiber der Computerspiele die kommerziellen Umtriebe für illegal erklären; sie haben gar nicht das Personal, um den elektronischen Verkehr zu überwachen, und können nur sporadisch einmal einen verdächtigen Spielzugang sperren. Der Fehler liegt im System. Es bleibe nichts anderes übrig, meint ein Enttäuschter, als auf ein neues Spiel zu warten, das den Fehler tilgt.

Blizzard und andere Firmen haben offenbar blauäugig angenommen, die Wirtschaft würde sich selbst regulieren. Selbst für jemanden, der nicht Volkswirtschaft studiert hat, ist offensichtlich, dass ein System nicht funktionieren kann, in dem unbegrenzt Geld in Umlauf ist. Wer den Handel von Spielgegenständen verbietet, wie die meisten Hersteller, oder ihn verachtet, wie viele Spieler, der verkennt doch die Realität. Gerade aus Sicht des Herstellers sollte man meiner Meinung nach froh sein, wenn man Abonnenten gewinnt, die aus Zeitmangel nur spielen können, weil anonyme Chinesen ihnen zu fertigen Charakteren und Geld verhelfen. Und für Spieler, die gegen sowas vorgehen, kann ich auch kein Verständnis aufbringen. Denn sie versuchen, ihr Weltbild anderen aufzuzwingen. Notfalls mit virtueller Gewalt. Wen es ernsthaft überrascht, dass jemand alle Möglichkeiten ausnutzt, die geboten werden, der ist sträflich naiv. Der Zorn dieser Spieler sollte sich nicht gegen andere Spieler richten, sondern gegen den Hersteller, der es versäumte, einen Wirtschaftsexperten in das Entwicklerteam zu holen.

Peter Agre, Nobelpreisträger für Chemie, bei Stephen Colbert:

Colbert: “You’ve said, let me just ask you something, you’ve said that anybody who grew up on a farm knows that evolution exists. OK. Are you saying that a monkey can milk the cow?”
Agre: “Well, if I can milk a cow I suspect a monkey as smart as I am could milk a cow.”
Colbert: “Are there monkeys as smart as you?”
Agre: “I’m sure there are quite a few.”
Colbert: “Do they give a nobel price for throwing your own fecies?”
Agre: “That’s the economics price, I think.”

Nur wer Geld hat bekommt mehr Geld. Momentan ist viel über die Gründer von Youtube zu lesen, die nach dem Verkauf ihrer Firma an Google reich sind. Wen interessiert es, dass zwei Leute jetzt reicher sind? Soll ich neidisch sein? Soll ich denken, mit der richtigen Idee könnte ich das auch schaffen? Was für Unsinn. Ohne eine ordentliche Menge Startkapital hätten sie eine Firma wie Youtube niemals aufziehen können. Aus wenig Geld viel machen gelingt höchstens beim Glücksspiel. Nachdem der Lotto-Jackpot dahin ist gibt Spiegel Online Tipps, wie man sich nach einem großen Gewinn verhalten soll. Diese Tipps liest man jedes Mal, wenn es außergewöhnlich viel zu gewinnen gibt. Auch hier gilt: Wen interessiert es? Gewinner kriegen die Tipps ohnehin von der Lottogesellschaft. Und bei allen anderen erzeugt das doch nur Neid, wo die ach so hilfreichen Verhaltensvorschläge nicht gleich auf Desinteresse stoßen.